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Die derzeitige Forschungspraxis kann man, wie oben bereits angedeutet wurde, mit dem Begriff 'Verinselung' kennzeichnen. Aufgrund der Interdisziplinarität des Faches, das u.a. sportmedizinische, sportökonomische, sportphilosophische, sporthistorische Teilbereiche umfaßt und somit disziplinspezifischen Forschungstraditionen folgt, der Größe der Institute, die im Schnitt ca. fünf unterschiedlich ausgerichtete Lehrstühle bereitstellen, und der Tatsache, daß Lehrstühle mit dem Schwerpunkt 'Methodologie' nicht vorgesehen sind, findet innerhalb der Disziplin kaum systematischer Austausch über forschungsstrategische Vorgehensweisen im Rahmen qualitativer Ansätze statt. Kooperationen mit Nachbardisziplinen, die eine methodologische Nähe vermuten lassen, werden selten gesucht, da inhaltlich kaum Interessensüberschneidungen vermutet werden. Pragmatisch gesehen begründen sich die mangelnden Versuche der Kontaktaufnahme nicht zuletzt durch die räumliche Trennung der Sportinstitute von den anderen Fachgebieten. [22]
Die Chancen, die aufgrund der fehlenden Vernetzung vergeben werden, liegen auf der Hand: Eine systematische Auswahl und perspektivenverschränkende Bearbeitung von Forschungsthemen finden nur selten statt. Die Wahl der Themen begründet sich in der Regel durch eine gewisse biographische Nähe der Wissenschaftler/innen zu den entsprechenden Praxisfeldern oder aber durch spontane Entdeckungen im Rahmen der jeweiligen Arbeitszusammenhänge. Die Bearbeitung der Themen erfolgt durch Einzelpersonen, wobei aus forschungsökonomischen Gründen (eigener und fremder) oft auf regelmäßige Diskussionen über den Prozeß der Datenerhebung und -analyse sowie damit im Zusammenhang stehenden Problemen verzichtet werden muß. [23]
U.E. erscheint es notwendig, sowohl Netzwerke innerhalb der Sportwissenschaft zu bilden als auch Bezüge zu den jeweiligen Mutterwissenschaften (wieder-) herzustellen, die auf einen kontinuierlichen Austausch über aktuelle Forschungsthemen und Bearbeitungsformen abzielen und somit Einblick in die jeweiligen Arbeitsprozesse erlauben. Die neuen Medien bieten hier sicherlich eine gute Möglichkeit, Transparenz und Kontakte herzustellen und eine Basis für eine (potentiell) sinnvolle Zusammenarbeit zu legen. [24]
Unter strukturellen Gesichtspunkten sehen wir ferner einen Handlungsbedarf, was die Ausbildung der Studierenden bzw. des potentiellen
(sport-)wissenschaftlichen Nachwuchses in Sachen 'Forschungsmethoden' betrifft. In Anbetracht der Tatsache, daß viele Nachbardisziplinen (z.B. Soziologie, Erziehungswissenschaften, Psychologie) Veranstaltungen zum Thema 'Qualitative Forschungsmethoden' parallel anbieten, halten wir es aus inhaltlichen Erwägungen und nicht zuletzt aus Kapazitätsgründen für sinnvoll, gemeinsame, disziplinübergreifende Veranstaltungen zu diesem Thema anzubieten. [25]
1) Auch im Rahmen der Bewegungswissenschaften (z.B. LIPPENS 1992) und in der Sportpsychologie (z.B. QUINTEN 1994; STELTER 1996) basieren einzelne Forschungsarbeiten auf qualitativen Ansätzen. Da der qualitative Methodengebrauch hier jedoch die Ausnahme darstellt, wird im folgenden auf diese Teildisziplinen nicht weiter eingegangen. <zurück>
2) Da Forschungsprojekte, die in Aufsätzen vorgestellt werden, kaum aussagekräftige Ausführungen zur Methodik treffen, werden bei den folgenden Ausführungen, die im übrigen nicht auf Vollständigkeit abzielen, i.d.R. nur die Arbeiten erwähnt, die als Buchpublikationen vorliegen. <zurück>
3) Vgl. hierzu auch Kuhlmann 1993. <zurück>
4) Vgl. z.B. Bette (1994) und Bette &Schimank (1995). <zurück>
5) Ferner beschäftigen sich an der Deutschen Sporthochschule Köln Frei u.a. derzeit mit den Belastungen und Risiken im weiblichen Kunstturnen. Auch hier werden Systemperspektive und unterschiedliche Akteursperspektiven (Trainer/innen, Turnerinnen, Eltern) in bezug zueinander gesetzt. <zurück>
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Dr. Ina HUNGER (geb. 1965): seit 1999 wissenschaftliche Assistentin am Institut für Geistes- und Sozialwissenschaften des Sports (Fachbereich Psychologie und Sportwissenschaft) der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Zuvor wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sportwissenschaften der Georg-August-Universität Göttingen (1994 - 1996) und am Fachbereich Erziehungs- und Kulturwissenschaften der Universität Osnabrück (1996 -1999).
Forschungsthemen: "Handlungsorientierungen im Kontext der Bewegungserziehung"; "Die Perspektiven der 'Sportschwachen' auf den Sportunterricht"; "Sportverständnis von Kindern".
Kontakt:
Dr. Ina Hunger
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Fachbereich Psychologie und Sportwissenschaft
Institut für Geistes- und Sozialwissenschaften des Sports
Horstmarer Landweg 62 b
D 48149 Münster
E-Mail: inahunge@uni-muenster.de
PD. Dr. Jörg THIELE (geb. 1960) : seit 1996 Hochschuldozent am Pädagogischen Seminar an der Deutschen Sporthochschule Köln; z.Zt. Lehrstuhlvertretung für den Bereich Sportpädagogik an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.
Forschungsthemen: "Phänomenologie"; "Sport und Gesundheit"; "Körpererfahrung".
Kontakt:
PD. Dr. Jörg Thiele
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Institut für Sport und Sportwissenschaft
Schwarzwaldstr. 175
D 79117 Freiburg
E-Mail: Thielej@uni-freiburg.de
Bitte zitieren Sie diesen Beitrag wie folgt (und Absatznummern, wenn notwendig):
Hunger, Ina & Thiele, Jörg (2000, Januar). Qualitative Forschung in der Sportwissenschaft [25 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research [On-line Journal], 1(1).
Verfügbar über: http://www.qualitative-research.net/fqs-texte/1-00/1-00hungerthiele-d.htm [Datum des Zugriffs: Tag, Monat, Jahr].
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