Ein narratives Interview mit Hülya
Universität Hamburg, WS 85/86
Christa Hoffmann-Riem
Empirisches Seminar: Zur Situation türkischer Frauen und Mädchen
Deckblatt
1. Interview- Nr.: XVI
2. Erzählerin: Hülya
3. Türkin
4. Alter
- bei Interview: 31 Jahre
- bei Einreise: 17 Jahre
5. Beruf: Arbeiterin in der Metallbranche
6. Interviewerinnen: Heike Kahlert, Christa Noack
7. Zeitpunkt des Interviews: 06. Februar 1986
8. Ort des Interviews: Wohnung der Erzählerin
9. Dauer des Interviews: 2 Stunden
10. Transkription erstellt von Heike Kahlert
Kommentar
Den Zugang zu Hülya erhielten wir durch eine Kommilitonin, die Kontakt zu einer
türkischen Lehrerin hat. Diese Lehrerin lud uns zu einem Treffen ausländischer
Frauen ein, die im Haus 3 in Altona zusammen kochen und essen wollten.
Bei diesem Treffen fühlten wir uns von Anfang an sehr wohl.
Die türkische Lehrerin, die selbst Interview-Erfahrung hat, stellte uns Hülya vor.
Wir erklärten ihr, was wir vorhätten. Darauf reagierte sie zunächst sehr
mißtrauisch, dann stimmte sie zu: wenn sie dadurch keine Probleme bekäme, in
die Türkei reisen zu dürfen, dann würde sie das Interview geben.
Wir tauschten Telefonnummern aus, da Hülya zu dieser Zeit sehr viel zu tun
hatte und keinen Termin vereinbaren konnte.
Ca. drei Wochen nach unserem Treffen rief sie an, um einen Termin zu
verabreden. Sie war sehr offen und herzlich und lud uns zu sich nach Hause ein.
Wenn deutsche Leute eine Türkin besuchen, so wolle sie auf jeden Fall türkisch
kochen.
Das Treffen verlief sehr schön und harmonisch. Die Freundlichkeit, mit der wir
aufgenommen wurden, beschämte uns.
Hülya hatte ein umfangreiches Essen zubereitet. Wir aßen gemeinsam in ihrem
Wohnzimmer und unterhielten uns über allgemeine Dinge.
Nach dem Essen erklärten wir nochmals, was wir vorhätten.
Hülya war damit einverstanden und fand es wichtig, uns ihre Probleme zu
erzählen.
Zu Beginn des Interviews fiel es ihr etwas schwer, den Einstieg zu finden, danach
erzählte sie sehr offen und flüssig.
Nach dem Interview unterhielten wir uns noch ein bißchen, leider war die Zeit zu
knapp, da wir auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen waren und Hülya sehr
weit außerhalb Hamburgs wohnt.
Sprachlich gab es keine Probleme. Hülya spricht sehr gut deutsch und hat einen
sehr großen Wortschatz. Gelernt hat sie die Sprache nur durch das Fernsehen,
ein Volkshochschulkurs hat ihr nichts mehr gebracht.
Das Interview
I: Es wäre schön, wenn du uns etwas über dein Leben in der Türkei erzählen könntest und auch
über dein Leben, wie du hier lebst, und es wäre schön, wenn du dabei auch 'was über deine
Kindheit oder Jugend erzählen könntest, wie du in die Bundesrepublik gekommen bist.
Vielleicht kannst du dich ja noch an bestimmte Sachen aus deiner Kindheit erinnern.
(( Schweigen ))
I: /ehm/
H: (( Schweigen ))
Kannst du jetzt ausschalten? Ich weiß nich, /eh/ wie
I: (( schaltet Gerät aus. Hülya überlegt einen Moment, dann bittet sie uns, das Gerät wieder
einzuschalten.))
H: Ich bin in eine kleine Dorf geboren
I: hm
H: das mit tausend
Einwohner.. Ich hab´/ eh / noch vier Geschwister außer mir / ehm / wir sind fünf Geschwister.
Und ich bin die Jüngste. / Ehm / meine Großmutter auch bei uns gewohnt früher, ich kann mich
also nich so gut an sie erinnern, da war ich acht Jahre alt, als sie starb. Und paar Jahre später
sind wir in unsere Vorort gezogen, da hat mein Vater Arbeit gefunden bei einem / eh / reiche
Mann als... / eh /.. nich Sekretär aber so
I: hm
H: einem Mann für alles
I: /ehm/
H: sozusagen, da bin
ich dann auch zur Schule gegangen... und.. ja, meine älteste Bruder dann geheiratet hat, war
ich neun Jahre alt.. und dann... / ehm /... Anfang 64 auch meine Schwester geheiratet, dann
sind wir, war'n wir nur / eh / zu dritt zu Hause.
I: hm
H: Ich war grade elf Jahre alt, als mein Vater
schwer krank wurde, und da hat sich /eh/ unsere Leben /ehm/ sehr verändert. Meine Mutter
war noch sehr jung, aber sie war immer Hausfrau,
I: hm
H: und mein Vater hat ja nur /eh/ privat
gearbeitet, mal da
I: hm
H: und mal dort, und denn hat er auch keine Krankengeld bekommen,
auch keine Rente.. In dem Zeit haben wir auch keine Geld gehabt, meine Mutter mußte /eh/
von andere Leute Geld nehmen, um meine Vater gesund zu pflegen.
I: hm
H: / Ehm / na ja,
und da sind wir immer in Sommern zu meine Schwester gefahren, sie /eh/ die haben große
Landwirtschaft,
I: hm
H: ich hab un´ meine Mutter da bei meine Schwester
bißchen geholfen, und da hab ich auch angefangen, so bißchen zu arbeiten, so Geld /eh/ zu
verdienen, war ich vielleicht höchstens zwölf Jahre alt... Meine Vater konnte, obwohl er ziemlich
gesund war, nich wieder arbeiten, überhaupt nich so körperlich schwer Arbeit machen. Ich hab
mir immer die Leute vorgestellt, die in dem Dorf..so arme Leute, die alt geworden sind,
abhängig von Kindern und wenig zu essen und wenig zum Anziehen und überhaupt nich mal
zum Arzt gehen
I: hm
H: und so... Da hab ich /eh/ Anfang sechziger Jahre oder Mitte sechziger
Jahre Leute kennengelernt oder gesehen, die aus Deutschland kamen mit schönes Auto und
die haben alles gehabt.
I: (( leise lachend)) hm
H: Also, war ich so grade dreizehn vielleicht, da hab ich immer gedacht: ooh,
du fährst irgendwann mal auch nach Deutschland, aber ich wollte nich /eh/ große Autos fahren
oder /ehm/ Wohnung kaufen (oder) Grundstück. Meine /eh/ Traum war, /eh/ daß meine Eltern
später besser geht als den meisten
I: hm
H: ältere Leute und meine Bruder konnte /ehm/ er war
ganz gut in der Schule, konnte auch studieren können, aber /eh/ wir hab'n kein Geld gehabt
Meine Traum war, daß meine Bruder weiter studiert und finanziell helfen können meine Eltern. /
Ehm/ meine /eh/ für meine Mutter war es ganz schwer, abhängig von Kindern zu sein, sie hat
/eh/ praktisch keine eigene Portemonnaie gehabt
I: hm
H: auch keine eigene Haushalt mehr, als
meine Vater krank wurde.. und dann war ich vierzehn Jahre alt, als ich zu meinem Vater gesagt
hat: ich möchte auch nach Deutschland.. Er war /eh/ (( lachend)) dagegen, er hat immer
geschimpft: nein, du gehst nich nach Deutschland,
(( alle lachen))
H: du bleibst hier und irgendwann wirst du heiraten und / und deine Mann
I: ja ja
H: muß /eh/ für dich
sorgen, aber ich wollte nich, ich wollte mich irgendwie selbständig machen, ich wußte aber
nicht, wie, ne, aber ich hab mir auch nich Gedanken gemacht, was mich in Deutschland
erwartet oder so.
I: hm
H: Ich wollte einfach weg, das war.. Not /eh/, also praktisch hab ich keine
Taschengeld bekommen von meinem Bruder.. /ehm/ und überhaupt nichts. Ich hab immer..
meine.. Freundinnen beneidet, die Geld gehabt haben oder sich
I: hm hm
H: was leisten
konnten. Ich konnte mir überhaupt nichts leisten..( ) meiner Mutter ging´s immer schlechter,
und sie hat immer geweint und das war sehr schwer und.. obwohl ich so jung war, ich hab das
alles mitgekriegt, miterlebt... Meine Bruder.. konnte so.. na ja, bis.. Ende Gymnasium
I: hm
H: zu / zur Schule gehen und nachher konnt' er nich mehr wegen finanzielle Gründe... / Ehm / ich
war noch zu jung, das is´ bei uns auch so wie in Deutschland: man ist mit achtzehn volljährig,
und /eh/ ich konnte ja mit achtzehn nach Deutschland / eh / gehen / und dann habe ich meine
Vater gesagt /eh/ daß ich mich älter lassen... /eh/ werde,
I: hm
H: / das kann man machen /hm/
I: hm
H: ((lachend)) man kann
sich älter machen lassen, aber nich jünger machen,
I: ((lachen))
H: ((lachend)) ich hab gesagt, jetzt /eh/ möcht' ich zu Gericht, und denn möcht' ich das /ehm/ ich
achtzehn Jahre alt /eh/ werde, so gerichtlich /eh/
I: hm
H: das ist keine Betrug, also, das kann man
machen. Man nimmt zwei Zeugen mit und eine Attest vom Arzt und und dann, also, wenn man
heiratet, wenn ich gesagt hätte, ich würde heiraten auch mit dreizehn hat er mich
I: hm
H: /eh/ glatt
/eh/ achtzehn geschrieben,
I: (( lachen))
H: aber (( lacht)) meine Vater war so stolz, er wollte nicht zugeben,
I: hm
H: er konnte nicht sagen, ich möchte meine Tochter nach Deutschland schicken.. hat er
nicht gesagt, und der Arzt immer wieder gefragt: warum wollen Sie Ihre Tochter älter machen
lassen? Na ja, mein Vater wollte nicht sagen
I: (( lachend)) hm
H: und dann sagt der Arzt: ich kann /eh/
Gericht /eh/ betrügen, aber ich kann den liebe Gott nicht betrügen, sagte er, sie ist doch noch
fast ein Kind. Meine Vater hat sich sehr schwer getan, und hat er nachher doch erzählt, ne, daß
er so krank is', und daß er nich arbeiten kann, daß er mich nach Deutschland schicken wird,
und dann sagte er, ja, / daß ich noch fast ein Kind bin, daß er nich /eh/ Attest geben kann. Und
hat zwei Jahre gedauert /ehm/ .. Zwei Jahre hab'n wir bei uns versucht in meine Stadt und
dann nachher bei meine Schwester, wo sie wohnt.
I: Und wie alt warst du beim ersten Mal, bei dem ersten
H: hm, vierzehn
I: Versuch?
Vierzehn, ja
H: da war ich vierzehn.
(( alle lachen ))
H: Und dann, wir hab´n gedacht. in der Großstadt /eh/ klappt das nicht so gut, dann hab'n wir uns
noch eine andere Stadt gesucht, und da waren, da war ich über eine Jahre... als `n paar mal
zum Gericht gegangen und das doch nich geklappt, da erst einmal so drei, vier Jahre
vergangen und / drei Jahre Jahre. Ich war /eh/ so.. angemeldet / eh /
I: hm
H: beim Arbeitsamt,
daß ich nach Deutschland (gehen würde). Man kann nicht einfach /eh/
I: /ehm/
H: nach
Deutschland kommen, ich bin nich illegal gekommen, ich bin über dem Arbeitsamt nach
Deutschland gekommen, aber ich mußte warten: er hat gesagt, auch wenn ich gerufen werde,
darf ich nich nach Deutschland, weil ich noch zu jung bin.
I: hm
H: Mit achtzehn darf ich einen
Pass
I: hm
H: erhalten... Und.. na ja, ich hab zwei Jahre gewartet, ich /ehm/ doch ein, nur ein
Jahre.. älter..
I: hm
H: machen lassen
I: Hm ach so
H: und.. da bin, danach hab ich noch ein Jahre gewartet und dann irgendwann... dann so Brief
gekommen.. und da sagte jemand: Du gehst nach Deutschland. Heute ist Post gekommen, für
dich. Ich war mit meine Schwester auf dem Feld.
I: hm
H: Als wir abends zurückkamen, hat /eh/
ein junger Mann aus dem Kaffeehaus gerufen. Natürlich konnt' ich nich glauben, ne, und /eh/
ich hab mich nich gefreut, in dem Moment wußt´ ich nich
I: hm
H: was ich fühlte. Als wir mit
Traktor zu Hause waren mit meine Schwester, da weinte schon meine Mutter ganz laut,
I: hm
H: daß ich /eh/ hat Sie auch geschimpft, daß ich das wollte und .. so /eh/ daß ich zufrieden sein
muß und so, ne, und sie wollte nich, aber.. die hab´n eben keine andere Ausweg gehabt. Meine
Mutter hat mich bestimmt nich, /eh/ wenn sie..(( überlegend)) Möglichkeiten gehabt hätte, mich
nach Deutschland
I: hm
H: geschickt... Denn hab'n sie eine Termin gegeben.. es war.. 1972, da
mußt´ ich Arbeitsamt kommen, bin ich hingegangen... sie erst mal alles geprüft, ob ich
schreiben und
I: hm
H: lesen kann und dann auch noch /eh/.. Schulabschluß gefragt.. / Eh / ich
konnte alles zeigen, ich hab auch Schulabschluß
I: hm
H: und dann mußt' ich Zeitung lesen, hab ich
auch gelesen und (( lacht))... und dann hab ich angefangen mit /eh/ meine Pass /eh/ das kriegt
man nich so ohne Weiteres
I: hm
H: das dauert immer, ne. Man muß.. überall hinlaufen. Als der
Pass fertig war, hab'n wir noch mal Termin gekriegt an dem /eh/ das war Ende 72, Ende 72.. da
mußt´ ich /eh/ nach Istanbul. Und da... natürlich war sehr schwer, der Abschied von zu Hause...
da.. na ja, ich wußte aber noch nich, wie schwer und weil meine Bruder mich begleitet hat bis
Istanbul.. Und da.. in Istanbul ist sehr /eh/ riesige Gebäude, ob Arbeitsamt oder
I: hm
H: ich weiß
nich, oder Gesundheitsbehörde war, ich war ja noch vorher noch nich in so /eh/ große Stadt..
und wir sind /eh/ dann hingegangen: drei, vier Tage hat der Untersuchung, ganze
Untersuchung gedauert... In Istanbul waren wir nur Nummer,
I: hm
H: keine Persönlichkeit mehr, keine Name, man
hat uns Nummer gegeben immer durch Lautsprecher, riesige Halle, immer Nummern gerufen
I: hm
H: /eh/ gerufen worden, natürlich waren Männer und Frauen getrennt /eh/ getrennt, aber man
/eh/ mußte immer mehrere Leute in einen Raum 'reingehen zum Röntgen
I: hm
H: und das war
irgendwie ganz schlimm, daß die Leute immer, die Frauen aus dem Lande hab'n sich geschämt
I: hm
H: /so ganz nackt dazustehen, lauter Leute
I: hm
H: zusammen und viele Leute und dann, na ja,
Personal war auch /männliche Personal da, und da hab'n sie mal geschimpft, als die Frauen
ihre /Brust zugedeckt haben mit die Hände: Warum schämen Sie sich denn, sind Sie
Schönheit oder `was? Lassen Sie los, oder", so irgendwie unmenschlich behandelt, schon in
Istanbul
I: hm
H: ne, Urin untersucht worden, Blutuntersuchung, wenn jemand bißchen zu hohes
Blutdruck hatte,
hat schon verloren, ne?
I: hm
H: Sie waren so traurig, weil sie.. ihre ganze.../eh/ Geld schon
ausgegeben hab'n bis Istanbul, ganze Pass und Reise kostet ja schon viel Geld, ne... Auch
Zähne
I: hm
H: geguckt worden, man müßte sich bücken, auch Knochen gezählt, Wirbelsäule
mußte grade sein, und darf /eh/ keine Zahnlücke haben, auch keine kaputte Zähne,
Blutsenkung muß in Ordnung sein, alles,
I: hm
H: auch wenn man vielleicht klein bißchen.. man darf keine Operationnarbe haben und muß man
Hände grade strecken, muß ganz ruhig sein, nich nervenkrank sein... Natürlich waren wir alle
kerngesund /ehm/ehm/ die Leute, die /durchgekommen sind.
I: hm
H: Viele mußten wieder zurück nach Hause, na ja, vielleicht hab'n sie Glück gehabt.
I: hm hm
H: (( lacht)) aber viele hab'n /eh/ geheult.
I: hm
H: Das war vielleicht einzige Ausweg oder Hoffnung
I: hm
H: für sie, weiß ich nich. Als /eh/ mir jemand gesagt hat, daß, als sie sich aufgeregt hat bei der
Untersuchung, daß ihre Blutsenkung oder Blutdruck zu hoch gewesen war, deshalb ist sie nich
/eh/ durchgekommen erst. /Ich /eh/ hab immer so viel Angst gehabt vor Spritzen, weil ich /
vorher nie beim
I: hm hm
H: Arzt gewesen bin, und da hat meine Bruder geschimpft: Mußtest
du denn /eh/ so nervös sein oder aufgeregt? Was ist, wenn Du verlierst, und das Ganze ist
umsonst gewesen?" Ich hab gesagt, was soll ich machen, ich hab eben Angst vor´n Spritzen,
I: hm
H: weil es so riesige /ehm/ Nadel war, und dann auch noch so nich behutsam, und
irgendwie so alles, ganze Untersuchung
I: hm
H: war unmenschlich... Vier Tage hat der ganze
Untersuchung gedauert.. Zum Glück oder zum Pech bin ich doch durchgekommen.. Und...
nach dem Untersuchung.. kriegt man noch eine Termin, man muß wieder ganz früh da
I: hm
H: /eh/
hinkommen
und dann wird Arbeit geteilt, wer wo hingeht. Wir waren paar /eh/ also, ich würde sagen, junges
Mädchen gerufen worden, in eine Raum gegangen. Sie war aber Türkin, /sie hat eine Katalog
in der Hand gehabt, die Leute waren alle schön mit weiße Tücher, Kopftücher und weiße
I: hm
H: Kleider. Sie sagte: Sie brauchen nicht arbeiten, nur den Knopf drücken. Sie sehen keine
Hähnchen, das ist eine Geflügelschlachterei gewesen.
I: hm
H: "Das ist nur Band hier, und Sie
würden an den Hähnchen nichts sehen, Sie würden nur den Knopf drücken und den ganze
Arbeit geht allein." Also, ich halte nich viel vom Schlachten, aber ich hab gedacht, wenn ich das
nicht sehen muß und so sauber wie 'ne Krankenschwester und das geht ja schon, ne.. Aber
das war nich alles, das geht nich /eh/ unsere Willen, da kam, war /eh/ noch jemand da, und /er
/eh/ sprach andere Sprache als wir, wir mußten aufstehen, uns umdrehen, hat er von unten bis
oben geguckt und umgekehrt auch, na ja (( lachend)) er mußte /eh/ ansehen, richtig ansehen,
/eh/ auf was er bezahlt.
I: hm
H: ... den 5. Juli 72 bin ich nach Deutschland gekommen.
Wir sind abgeholt worden... vom Bahnhof.. erst in die Fabrik, da hab'n wir Essen gekriegt, jede
eine Hähnchenkeule,
(( alle lachen))
H: (( noch lachend)) und der Meister hat gesagt, wir sollten so viel essen /eh/..
I: Wie Ihr könnt?
H: Ja, wie wir.. also mit der, wir konnten kein Wort deutsch. Von uns jede hat keine Pfennig in der
Tasche gehabt!
I: hm
H: Und.. kein Mensch hat 'was gesagt, daß wir irgendwie paar Mark
hätten wir doch /eh/ nehmen können von der Bank, wechseln können, aber weder
Sprachkenntnisse
I: hm
H: noch Geld. Na ja, hat er uns erklärt, daß es /eh/ eine.. besondere Tag ist,
deshalb wir Hähnchenkeule kriegen, umsonst essen können,
I: hm
H: da durften und konnten wir so viel essen, /eh/
((lacht)) wie wir konnten und nachher, da sagte nachher nichts mehr, ne und nich umsonst,
nachher mit Geld. So, aber.. wir waren noch von der Reise und von der Abschied
I: hm
H: noch
nich richtig da...ne. Man hat uns so, nachher nach dem Essen, mit /eh/ Omnibus in dem Heim
gebracht, wo wir in /in Zukunft wohnen sollten. Also ich weiß nicht, warum, wir waren alle
bestimmt nich dumm, aber
wir hab'n auch miteinander nich geredet. Wir hab'n uns erst /eh/ da gesehen,
I: hm
H: als wir
ankamen. Wir sind ganze Zeit, die ganze Reise zusammen gemacht, keine Wort haben wir
nich, auch mit Landsleute nich gesprochen. Da waren wir.. /eh/ ((überlegend)) fünf Mädchen
und dann eine Familie.. dabei, an dem gleiche Tag sieben Leute sind gekommen.
I: hm
H: Also, wir sollten gleich /ehm/ Geld kriegen eine.. Abschlag, daß wir uns irgend'was kaufen
können und so, aber... nach dem Abend, /eh/ als er uns in den Heim gebracht hat, hab'n wir
niemanden gesehen, vier Tage lang (( lacht laut))
I: (( lachen ))
H: worauf /eh/ ein, nachher fünfte Tag, Gott sei Dank, hat jede bißchen 'was /eh/ mitgebracht von
zu Hause: Nudeln oder Grütze oder so, ne, und.. ich fand das komisch! Auch andere Leute,
Landsleute, hab'n nich unsere Tür geklopft und ob wir 'was brauchen und so.. Na ja, wir waren
alle so traurig, wir aber auch nich mit uns so.. miteinander
I: hm ja
H: unterhalten... Und da hab'n wir
uns /eh/ Nudel gekocht und /eh/ eine hat Grütze gekocht, war nich genug Teller da, und ein hat
/eh/ von /eh/ Topf /eh/ Deckel genommen, und eine hat den Topf genommen. Wir waren
gerade beim Essen, hat geklopft und kam der großzügige Herr wieder, war nachher,
I: (( lachen))
H: (( lacht)) wie (( lacht)) wie sich 'rausgestellt hat, war Obermeister, hat, er hat uns jede fünfzig
Mark gegeben.
I: hm
H: Wir sollten uns... einkaufen und so... Ja, so hat dann auch angefangen mit
unsere.. also fünf Tage später hab'n wir angefangen.
I: hm
H: ( ) Wir sind, glaube ich, /eh/
mittwochs oder so
I: hm
H: angekommen, und am Anfang haben wir nur vier Tage in der Woche
gearbeitet, vier Tage, aber natürlich vielleicht achtzig Stunden, ne, innerhalb vier Tage... Das
hab'n wir nicht gezählt, wir wußten nicht, daß man in Deutschland vierzig Stunden in der
Woche arbeitet. /Eh/ wir haben so lang von sechs bis um neun, bis um zehn gearbeitet, abends
bis um acht. Dann waren wir auch abhängig, /eh/ wir sind immer abgeholt worden von /eh/
Betrieb im Bus und auch nie /eh/ zurückgefahren, auch wenn wir bis /hm/ so um achte
Feierabend gemacht haben, und mir, mußten wir bis um neun sogar da draußen sitzen,
I: hm
H: auf
den Bus warten.... Ja, wir hab'n auch keine Überstunden bezahlt gekriegt, auch gar
nichts, und... ich war /eh/, glaube ich, so eine Woche erst oder zwei Woche da.... Da mußte ich
/eh/.. abends nach dem Arbeit, wie die Leute nach Hause gegangen sind, die Firma- ganze
Firma putzen, mit /eh/ /drei andere Frauen, oder waren wir insgesamt drei, das weiß ich nicht
genau.
I: hm
H: Drei Frauen, die ganze Firma mußten wir scheuern und putzen, mit Schlauch, mit
kalt,
I: hm
H: eiskalte Wasser. Wir haben Gummistiefel angehabt,
I: hm
H: Gummischürze und
diese schöne /eh/ schneeweiße Kittel war immer blutig,
I: hm
H: auch ganze Dreck von Hähn-
chen, und dann mußte ich Müll/eh/tüten 'rausbringen.
I: hm
H: Da /hab ich mir immer gesagt..
was ist, wenn von deine Dorf oder von deinen Bekannten jemand dich hier sieht!
I: hm
H: Dann
würd'st du dich am liebsten aufhängen! Also, das
I: hm hm
H: Wir waren irgendwie zu stolz, um
..sowas zu machen, zu Hause, ne.
I: hm
H: Na ja, hier /eh/ gab's danach eigentlich keine Stolz
mehr. Am Anfang hab'n sie uns den /eh/ Pass /eh/ genommen wegen.. Aufenthalts..erlaubnis
oder so. Ich weiß nich, wegen Arbeitserlaubnis... /Eh/ dann ist jemand krank geworden.. nach
paar Tage später ist /eh/ Wasser /eh/ in `ne Ohren gekriegt oder so.
I: hm
H: Ich mußte für sie einspringen.. Zum Putzen.
I: hm
H: Hab ich auch gemacht, aber weil ich
dachte, ich muß das nur /eh/ paar Tage machen,
I: hm
H: und dann, wie sie zurückkam, hab'n sie gesagt, daß ich besser bin, und daß ich bleiben muß.
Ich hab gesagt: nein /eh/, so mit Seifenwasser voll, große riesige Eisenwagen, da mußte ich
ganze /eh/ Kiste waschen mit Bürste und so. Ich hab gesagt: nein, er sagte: ja und, ja, außer
ja" und "nein" konnt' ich kein Wort, oder er sagte, er hat lange versucht, immer gesagt: mußt,
du mußt machen. Putzen, wenn nicht, nach Türkei wollten sie mich schicken, ne, meine, ich
hab ja noch keine Pass gehabt.
I: hm
H: Und das hab'n sie auch mit andere
Frauen gemacht, die sich geweigert haben, einfach zurück geschickt nach Hause.
I: hm
H: Das wollte ich auf keinen Fall.
I: hm
H: Also, ich wollte schon am Anfang aufgeben, weglaufen.
Ich hab gesagt: das ist mir egal, ob ich Geld hab´ oder nicht. Ich will hier nicht bleiben, aber ich
hab auch /eh/ keine Geld gehabt, als ich nach Deutschland kam, mußten wir von andere Leute
Geld nehmen. Erstens hab ich Schulden gehabt, das war Ehrensache,
I: hm hm
H: das mußt' ich
zurückzahlen,
I: hm
H: und zweitens hab ich immer gedacht, das glaubt mir keine Mensch, wenn ich
erzähle, was /ehm/ in Deutschland
I: hm
H: passiert
I: hm
H: ist, und sie werden glauben, daß ich
vielleicht irgend'was geklaut habe.
I: hm ja
H: Oder.. und deshalb, daß mich Polizei nach Hause
I: hm
H: geschickt
I: hm
H: hat und so. Ich sag nee
und: um wieder zurückzugehen, war ich auch zu stolz. Hier bleiben war auch
I: hm
H: /eh/
irgendwie Hölle, aber ich hab ganze Jahr da gearbeitet in der Firma, und.. ich hab´ ganze Jahre
lang geputzt. Zusätzlich. Ich- da hab ich dann immer so um zehn, um elf Feier(abend).. /eh/
gemacht und nächste Tag auch mit andere Leute zusammen wieder um sechs angefangen.
I: Das heißt, Du hast erst die normal Arbeit gemacht und dann hinterher geputzt?
H: Ja.
I: Und das
jeden Tag?
H: Das jeden Tag. Auch nicht extra bezahlt gekriegt.
I.: Und wie lange hast Du das
gemacht?
H: Ein Jahr lang. Ich hab ja- mit /eh/- ich hab ja Vertrag gehabt.
I: hm
H: Da war auch eine Dolmetscherin, sie war Lands-
männin... von mir, aber.. der Obermeister war mir lieber als sie. Sie war noch schlimmer als der
Arbeitgeber.
I: (( empört)) oh Oh
H: Also, ich hab das /eh, obwohl ich das nicht so viel verstanden hab, aber sie hat nie richtig
übersetzt, wenn wir uns beschwert haben und so.
I: hm
H: Ich sollte normalerweise für jeden Abend
zehn Mark zusätzlich kriegen.
I: hm
H: Ja, aber ich hab /eh/ den gesamte /eh/ Monatsgehalt nur vierhundert Mark gekriegt, also
praktisch /eh/ hundertfünfzig Mark war meine Gehalt,
I: hm
H: wenn ich das gekriegt
I: hm
H: hab für Putzen.
I: hm
H: .../Eh/ wenn wir einen Monat /eh/ fünfhundert Mark gekriegt /haben oder vierhundertfünfzig, da
hab'n wir uns gefreut.. Das war wie Geschenk, ne.
I: hm
H: Natürlich hab'n wir nicht gedacht,/wieviel Stunden daß wir arbeiten.
I: hm
H: Jeden Tag dreiunddreißig-, fünfunddreißig-, vierzigtausend, Hähnchen geschlachtet worden,
I: hm
H: das mußte bis zum Knochen fertig eingepackt sein, da zählte keine Stunde, Arbeit
mußte fertig sein.
I: hm hm
H: Und nächste Tag fängt es wieder von vorne an, ne. Alles mußte
/eh/ gesäubert werden, mußte alles /eh/
I: hm
H: eingepackt werden... Also.. da.. wir hab'n auch /eh/ und
das waren auch /eh/ Fließ- nich /eh/ Fließband, aber das war am Band so
I.: hm
H.: Eisen
I.: hm
H: Und... ich glaube, ich war erst zwei oder drei Woche /eh/ da.. Ich hab immer Pech gehabt,
eigentlich in (( fängt an zu lachen)) meinem Leben.
(( alle lachen))
H: Da hat jemand /eh/ Messer auf den Band /eh/ gelegt, /ehm/ auf die Kante
I: ja
H: (( lachend)) und nur so geradeaus gegangen, vor mir ist runtergefallen auf meinen Fuß.
(( alle lachen))
H: Das war ganz schmale Messer.
I: hm
H: Natürlich war der Schnitt ganz klein, aber der Schmerz war riesig groß, weil es bis zum
Knochen gegangen ist.
I: hm
H: Und das war auch so steckengeblieben... Und mit /ehm/ehm/
ich hab so´n starke Blutung gehabt auf dem Fuß
I: hm hm
H: und.. Na ja, man- wir hab'n auch
keine erste Hilfe und so, nichts gekriegt, ne. So lange warten, bis der Hausmeister kam. Wir
haben immer Hausmeister gesagt, aber war jemand da, der uns zum Arzt
I: hm
H: gefahren hat und
so um alles gekümmert.
I: hm
H: Und er ist gekommen, irgendwohin gebracht, aber ich weiß nicht, ob das Krankenhaus war
oder beim Arzt. Und die hab'n mich ausgelacht, weil der Schnitt so klein war, ne.
I: hm
H: Ich konnte ihnen nichts erzählen, ich weiß nich, was der erzählt hat,
I: hm
H: und- ja, und drei Tage-
ich hab auch keine Zettel und so,/daß Unfall war
I: hm hm
H: oder krank geschrieben und
so. Das wußten wir ja nich.
I: hm
H: Also, ich hab´ /eh/ praktisch nur /eh/ zu Hause gelebt, ich
hab mit /eh/ Arbeitswelt oder mit außen nichts zu tun gehabt zu Hause. Und, ja, ich war drei
Tage zu Hause, ich weiß nich, wer mir das gesagt hat, daß ich drei Tage zu Hause bleiben
kann. Und vierte Tag /eh/ so gehumpelt /eh/, so bin ich zur Arbeit gegangen. Ich konnte nich
I: hm
H: richtig laufen, ich hab noch ganz dicke Fuß gehabt.. Irgendwie hat der.. Mensch Mitleid gehabt
mit mir und wieder zurückgeschickt nach Hause, der Hausmeister
I: hm
H: hat mich wieder
nach Hause gefahren, und sieben Tage krank gemacht... Ich wußte nich,
I: hm
H: /ich war
einfach krank, ich wußte nich, daß man /eh/ krank /eh/ gemacht hat oder mit Krankenschein.
Wir hab´n nie Krankenschein gesehen.
I: hm
H: Und../auch wenn wir starke Magenkrämpfe hatten
oder meinetwegen Nierenkolik und so.. Wir mußten zur Arbeit erst mal und eine Antrag stellen,
daß wir /eh/ mußten wir schreiben, morgens
I: hm
H: gleich bei dem - in der Kantine, die
Kantinenfrau hat sich gekümmert.
I: (( lachen))
H: Und... nachher.. wenn er Zeit hat, der Hausmeister, dann
haben sie gesagt: "Komm - schnell, schnell ausziehen - zum Arzt!" Und da war einer, also, sehr
/eh/ ganz alte Mann, sollte unsere
I: hm
H: Betriebsarzt oder was weiß ich. Da sind wir
hingegangen, /wir konnten keine deutsch.. Und, ich weiß nicht, was er gefragt hat. Uns so..
irgend'was gegeben, wieder zur Arbeit. War mit die Schmerzen.... Und dann war auch /eh/ eine
Landsmännin von mir.. /eh/ sie war auch schwanger, ganz kleine Frau, ich wollte ihr helfen, mit
dem Wagen so, da mußten wir in /eh/ Kühl/eh/raum schieben.
I: hm
H: Und da hinter mir stand noch
eine Wagen, ich hab /eh/ ich wußte nicht, daß sie von hinten /eh/ schieben würde, hat sie so,
so doll /eh/
I: hm
H: /den Wagen nach vorne geschubst, und meine Hand war dazwischen
gekommen. Ich hab dem Vorarbeiter gezeigt, daß ich nich arbeiten kann, und da hat er gesagt:
"Macht nix, ne," und "nix schlimm, aber kurz vor Feierabend war ganz dick und rot und blau
geworden meine Hand. Ich hab /eh/ ihm qezeigt, daß ich nich /eh/ arbeiten kann, aber ich hab
so gearbeitet ganzen Tag, ne, und abends haben sie mich dann zum Arzt gefahren. So `ne
Schiene gekrieqt,
I: hm
H: und auch Verband hab ich gekriegt. Das war da irgendwie gebrochen
oder so. Und ich hab gesagt, daß ich ihm gezeigt habe,
I: hm
H: er sagte:
I: hm
H: Nein, daß ich nicht gezeigt hab, daß er nicht gesehen hat. Ich hab´ gesagt, daß er mir gesagt
hat: macht nix, nix schlimm, ne, aber er sagte später, das hat er nich gesagt, er hat auch nich
gesehen.... Ich weiß nich, /eh/ ob das mit meiner Hand /eh/ war, irgendwann war ich dann auch
zu Hause, /eh/ krank, und.. Diese Firma hat /eh/ jedes Jahre zu viel Personal gebraucht, keine
Mensch da geblieben, nach einem Jahre Vertrag.
I: hm
H: Und in der Türkei hab'n sie
Gedanken gemacht, warum die Leute nicht bleiben.
I: hm
H: .. /Eh/ wo /eh, da hab'n sie jemanden
geschickt.
I: hm
H: Er sollte kontrollieren die Verhältnisse.
I: hm
H: ... Und der Hausmeister gekommen,
ganz früh, und sagte zu mir: Arzt! Also, da hab ich gedacht, er will mich zum Arzt bringen.
I: hm
H: /Eh/, fand ich gut, /eh/ ohne Weiteres zum Arzt zu bringen, ich hab gedacht, ((lacht)) keine
Beschwerden gehabt so weit, ne, keine große Schmerzen, daß ich irgendwie /eh/ zum Notarzt
I: hm
H: muß oder so. Und dann mußte ich in der Kantine sitzen, da
I: (( fällt in's Wort)) und Kaffee getrunken
H: ganzen Tag gesessen, ich
hab gewartet, ich hab gedacht, er bringt mich zum Arzt.
I: hm
H: Bis zum an /eh/ Abend, wie andere Leute Feierabend gemacht haben. Sie sind immer wieder
`runter gekommen, zum Pause, zum Frühstück, zum Mittag und Nachmittag, und da hab´n sie
mich gefragt, was ich da mache. Ich hab gesagt, ich warte den Hausmeister, er /eh/ fährt mich
wahrscheinlich zum Arzt. Ich hab´ nachher gehört, der gute Mann aus der Türkei gekommen,
und deshalb /eh/ wollten sie /eh/ mich nich zeigen, daß ich eventuell ihm 'was erzählen würde.
Deshalb hat er mich abgeholt von
I: hm
H: zu Hause.., aber... /eh/ der... Mann.. hat /eh/ gut /eh/
Hähnchen gegessen und bißchen Whisky oder Schnaps getrunken, ne
(( alle lachen))
H: und wieder nach Türkei
gefahren,
I: hm
H: mit gute Bericht.
I: hm
H: Und das war nicht nötig gewesen, daß ich da ganzen Tag sitzen mußte, ne?
I: hm
H: Hat er bestimmt nich geguckt
auf die Wohnheime und so, ne.
I: hm nee
H: Keine Interesse
gehabt, den hab'n sie... gut versorgt
I: (( kichern))
H: wieder nach Hause geschickt.. Ich hab´ dann also auch
keine.. Beamte gesehen aus der Türkei.... So /eh/ drei Woche vor meine Vertragablauf ist /eh/,
ich hab hier.. Hamburg.. nich so nahe Verwandte, aber von meine mütterlicher Seite Verwandte
gehabt, meine Eltern wollten nicht, daß ich ganz alleine in Deutschland
I: hm
H: lebe, und als sie /eh/
zu Hause /eh/ waren im Urlaub hat meine Mutter sie.. gebeten, mich.. hierher zu holen. Nach
Hamburg. Sie wohnten in Bergedorf. Sie haben mich besucht, da hab'n sie gesagt /eh/: Wir
nehmen Dich einfach mit. Wir sprechen mit Deinen Arbeitgeber, aber der hat auch nicht auf
einen Tag verzichtet. Seine Leute hat er nicht.. weggeschickt, lieber nach Türkei, aber nich
andere Firma ( )
I: hm
H: Und nach /eh/... war der Vertrag abgelaufen.. Also, Vertrag gemacht /eh/, wir haben ja fünf
Tage später angefangen.
I: hm
H: Die fünf Tage, die wir zu Hause waren, die mußten wir nacharbeiten.
I: (( empört lachend)) hm
H: Vertrag abgelaufen, wir haben ja selbst nicht erledigt, alles hat die Firma gemacht. Gleich auch
/eh war ich, also,
I: hm
H: ich hab auch mit Gewerkschaft nich gute Erfahrung gehabt.
I: hm
H: Hat keine Mensch gesagt, daß wir uns jetzt /eh/ selbst eine Arbeitserlaubnis
I: hm
H: eine
Aufenthaltserlaubnis besorgen
I: hm
H: müßten.
I: hm
H: Wollt Ihr (( zeigt auf die gefüllte Teekanne. Wir lehnen kopfschüttelnd ab.)) Aus Köln ist /eh/ von
eine /eh/ Freundin eine Heim /eh/.. ihr Bruder gekommen,
I: hm
H: um sie zu, abzuholen da. Und da
hat er gesagt: Zeig' mal Deinen Pass! Oder aus Berlin, weiß ich nich. Und da sagt er: "Was,
Du hast keine Aufenthaltserlaubnis? Wie soll ich denn mit - wie soll ich Dich denn mitnehmen?
sagt er.
I: hm
H: Was glaubst Du, wenn nachher Passkontrolle gibt, unterwegs, kann ja sein,
sagt er, daß Polizei uns /eh/ anhält und sagt sie: Pass hier! Und dann würden sie Dich nach
Hause schicken!" .. Wir guckten so, wir wußten ja nicht,
I: hm
H: was Aufenthalterlaubnis ist, da
sagt er: Habt Ihr alle keine Aufenthalterlaubnis?" Wir sagten: "Was ist das denn?"
I: hm
H: Da sagt
er: Was glaubst Du, wie Du hier /eh/ bleiben willst ohne Aufenthalterlaubnis? Keine Sekunde",
sagt er, "würden sie Dich nach Hause schicken! Er hat uns gefragt, wo /erste /eh/ oder
naheliegende Auf/eh/
I: hm
H: Ausländerbehörde
I: hm
H: ist. Wußten wir auch nichts.
I: hm hm
H: Und.. na ja, er sagte, daß er das /finden würde, das war zwanzig vor zwölf, hat er uns alle in
seine Auto.. Wir waren /eh/ vier, vier oder fünf ja, fünf Mädchen, war'n eigentlich zu viel, aber
'reingesteckt
I: (( kichern))
H: hat er uns. Gerast mit seine Auto, zehn vor zwölf waren wir in ein (( lachend))
nähegelegene Stadt, das war in der Nähe, /eh/ nich in unserer Stadt, sondern anderer Stadt
I: hm
H: in der Nähe, klein, war /eh kleine Ort... Und der Beamte hat ((lachend)) so große Augen
I: (( lachen))
H: (( lachend)) gemacht, als er uns alle da gesehen hat, sechs, sieben Personen, ich weiß nich,
wir konnten nach ein Jahr trotzdem keine /eh/ deutsch, weil wir immer unter uns waren, und mit
deutsche Kollegen überhaupt keine Kontakt gehabt haben. Sie hab'n uns auch auch nich als
Mensch behandelt so.
I: hm
H: Nur so nebenbei hab'n wir.. nebeineinander gearbeitet,
I: hm
H: also nich miteinander... Und da hat d /eh/ Mann /eh/ gefragt, warum daß wir nicht früher
gekommen sind, doch schon fünf Tage abgelaufen
I: hm
H: ist! Und der /eh/ Bruder von meine
Freundin hat erklärt, wir hab'n gesagt, daß wir bis.. /eh/ Tag
davor gearbeitet haben. Er wollte das nicht glauben, warum die Firma nich angemeldet hat.
I: hm
H: Natürlich hat er uns nich geglaubt, und hat er angerufen, in der Firma, ob wir wirklich /eh/ bis
/eh/ zuletzt gearbeitet haben. Dann haben sie freundlicherweise zugegeben, aber hat er
geschimpft,
I: hm
H: der Beamte. Warum und wieso, daß man als Mensch das nich machen kann
und warum nich Aufenthalt- erlaubnis /eh/ gegeben hat und so. Na ja, hat jede /von uns drei
Monats Aufenthaltserlaubnis gekriegt, wir waren froh (( lachend)) und glücklich,
I: hm
H: daß /eh/
jemand für uns das dann gemacht hat. Dann wieder zurückgefahren, und das war zweite große
Abschied, eine Jahre lang in eine enge Raum, fünf Mädchen gewohnt wir, wie Schwestern,
I: hm
H: /eh/ wie Geschwister. Also, auch wenn wir gezankt hab'n und so,
I: hm
H: wir waren nie böse
aufeinander. Wir hab'n so zusammengehalten in der Not, ja? Und.. /eh/ wir hab'n auch keine
Küche gehabt, das war 'ne kleine, zwei kleine Zimmer, dann /eh/ fünf, ja, fünf Mädchen hab'n
wir gewohnt,
I: hm
H: auch da gekocht. Unten /eh/ hab'n wir Dusche gehabt
I: hm
H: für die ganze
Haus. Das sah /eh/ sah wie früher im KZ die Gas/eh/kammern, diese Dusche
I: hm hm hm hm hm
H: von oben /eh/
wir sind alle drei, vier /eh/ gleich 'reingegangen, weil das Wasser immer so schnell kalt wurde.
Wir konnten nich einzeln nach der
I: hm
H: Reihe duschen, wir sind immer so, alle Haare
shampooniert und dann unter der Wasser gestanden.
I: hm
H: Schnell geduscht,
I: hm
H: bevor das /eh/
Wasser kalt wurde. Das war eine /normalerweise keine /eh/ Wohnhaus, das war alte Schule,
die
I: oh
H: die Firma für /eh/ auslän-
dische Arbeit/nehmer gemietet hat,
I: hm
H: aber eigentlich war keine Wohnung.
I: hm
H: Auch keine Küche. Wir konnten auch keine Lebensmittel, weil die Geschäfte immer zu waren.
I: hm hm
H: Als wir von der Arbeit kamen, war /schon dunkel, alle zu. Und deshalb /eh/ hab'n wir,
/ich weiß nich, wer das gemacht hat, von eine Bäckerei Abonnement gemacht, zweimal in der
Woche jemand mit Auto Brot vorbeigebracht,
I: hm
H: weil wir nichts zu essen gehabt hab´n zu
Hause.
I: hm
H: ....Ich konnte zwar Brot nich essen, ((lacht)) weil ((lachend)) dieser Mann kam
zweimal in der Woche und eine Woche lang nur dasselbe Brot essen,
I: hm
H: das war dann
auch zu hart, und ich hab immer die Hälfte weggeschmissen.
I: hm
H: Aber in /eh/ eine kleine Ort, das war fast `n Dorf, war möglich, manchmal /eh/ not/falls Hintertür
zu klopfen und
I: hm
H: da hat sie aufgemacht, und dann hab'n wir 'was gekauft... Aber irgendwie hab
ich das, /eh/ obwohl die Arbeit so.. dreckig und.. schwer war und.. nich menschenwürdig war,
/eh/ nich so, war nich so schmerzlich,
I: hm
H: weil wir immer zusammen
I: hm
H: gehalten haben. Als die
erste Freundin /eh/ abgeholt wurde, da hab´n wir alle vier geheult wie kleine Kinder. Alle nach
der Reihe abgeholt worden, und da ist eine dageblieben.. Und hab´n meine Verwandte hat
mich abgeholt,
I: hm
H: und nach .. Bergedorf, erst 'mal nach Bergedorf gekommen.. Er war immer
traurig, daß /eh/ eine Freundin da ganz alleine geblieben ist.
I: hm
H: Er sagte: Sie hat keine Familie und niemanden. Was wird sie da machen?
I: hm
H: Aber sie wollte nich kommen, sie hat /eh/ in fremde Leute vielleicht keine Vertrauen gehabt.
I: hm
H: Ich war zehn Tage /eh/ bei meine Verwandte, die hab'n versucht, mich da /eh/ in Krankenhaus
an- für mich eine Arbeit zu finden. Wollten sie nich.
I: hm
H: /eh/.. / Wir hab'n paar Leute gefragt, und nachher hab ich /eh/ bei in Reinbek bei einer
Metallverarbeitungsfirma angefangen, ((nennt den Namen)), das ist auch eine
Metallverpackung.
I: hm
H: Da hab ich auch in Heim gewohnt. Am Anfang war´n wir drei, vier
Personen in einem Zimmer, das ist genauso lang wie die Firma: vierzehn Zimmer
nebeneinander
I: hm
H: und Küche zum Ende der /eh/ Gang, am Eingang eigentlich
I: hm
H: Küche,
aber wenn man hochgeht, denn ist das ganze Stück /eh/ wieder zurückzukommen.
I: hm
H: Auch Dusche und so, genau dasselbe, nur eine große Raum. Da hab'n wir auch geduscht und
nur zwei /eh/ Kocher gehabt für die ganze.. Leute da
I: hm
H: /unten gewohnt hab´n.... Da hab ich
auch /eh/ keine leichte Arbeit gehabt. Zwei Jahre ununterbrochen Wurst/dosen /eh/-deckel hab
ich gummiert, gestanzt. Immer mußte ich zwei, drei Maschinen bedienen.... Denn, nachher,
konnte ich das nich. Meine Arm wurde immer dick, ich habe auch so niedrige Blutdruck gehabt,
umgefallen bei der Arbeit, und denn Sehnen- oder /hm/ -entzündungen oder
I: hm
H: Nervenschmerzen
gehabt auf der linken
I: hm
H: Arm. Ich durfte nich arbeiten, immer Halbgips gekriegt. Ich war noch
neu, aber... Am Anfang /eh/, wie ich da war, hab'n sie viele Leute entlassen und.. Obwohl ich
Neue war, hab´n sie mich nich entlassen.... Ich hab /eh/.... da gearbeitet, und nun mußte ich
nachher meine /Abteilung wechseln,
I: hm
I: weil ich da /schwer arbeiten nich /eh/
((Seite 1 der Cassette zu Ende.))
H: ( ) Ich sollte eigentlich ganz leichte Arbeit machen wegen
I: hm
H: meine Arm, aber.. da mußte
ich auch - das hat sich immer so /eh/ transportieren /eh/ genannt,
I: hm
H: mußte immer Karton
hochheben auf den Palette d'rauf.
I: hm
H: Das war mindestens siebenhundert, acht- hundert,
neunhundert voller Karton am Tag.
I: oh
H: .../Eh/ auch in den Heim war nich so schön.. Wir haben
unter den.. /eh/ Druckerei gewohnt, und /eh/ die hab'n auch drei Schicht gearbeitet, und ganze
Maschinen, laute und so, alles hab´n wir
I: hm hm
H: gehört, konnten wir auch nich so gut.. schlafen,
I: hm
H: wenn man mit drei Personen, vier Personen da in einen Raum wohnt, zwei Schicht, wenn ich
Frühschicht gehabt hat, und andere hat /eh/ Spätschicht gehabt, wir g'rade eingeschlafen
I: hm
H: gehabt, sie ist von Arbeit
I: hm
H: gekommen. Auch wenn man gleiche Schicht /eh/ arbeitet, na
ja, auch mit Geschwistern kann man sich nich so gut verstehen, mit fremde Leute
I: hm
H: is´ doch
'was anderes und große /eh/ Altersunterschied manchmal /ich war denn g'rade achtzehn Jahre
alt,
I: hm
H: und.. da war einige, die über vierzig waren oder schon fünfzig. Entweder hab´n sie..
lange gesessen
I: hm
H: oder zu früh zu Bett gegangen.
I: hm
H: Da sollt' ich auch Licht ausmachen,
I: hm
H: oder so lange sitzen, wenn sie Lust hatten, ne. Und.. ich war denn eben ganz anders. Sie
waren schon.. /eh/.. paar Jahre länqer hier in Deutschland, waren sie doch bißchen..
anders geworden.
I: hm
H: /Eh/.. Und das war für mich /eh/ harte Schlag und - obwohl das
Arbeit so schwer war bei der Geflügelschlachterei. Es von /eh/ menschlicher Seite her, von zu
Hause her,
I: hm
H: von daheim, /eh/.. diese Zusammenhaltung und die Liebe von /eh/... Kollegen
und von Freundinnen, das fehlte mir einfach. Also, ich ... sah alles so irgendwie .. ich bin
eigentlich.. /eh/ so... ich hand'le mehr mit Gefühl und
I: hm hm
H: Und ich kann auch einfach nich
vorbeigehen an den Menschen, und.. das.. hat mich sehr traurig gemacht, weil die Leute immer
so.. materielle Dinge wichtiger waren und wegen Kleinigkeiten immer geschimpft haben. Ich
hab nur geweint.
I: hm
H: Ich wollte niemanden
I: hm
H: verletzen. Ich war.. /eh/ ganz Gegenteil, /eh/ wie
ich heute
I: hm
H: bin. Ich bin heute noch sentimental, sensibel, und ich hand'le viel mit
Gefühlen. Ich kann nich vorbei gucken, wenn jemand mir gegenüber sitzt, /eh/.. auch nich - ich
mag auch keine oberflächlichen Menschen, mag ich auch nich gerne. Aber früher war ich
noch.. noch sensibler wie ich- was- ich hab von zu Hause nur /eh/.. Für uns war menschliche
I: hm
H: Dinge und Liebe und Geborgenheit wichtig, und hier waren nur Maschinen wichtig. Die
Menschen waren nicht wichtig.
I: hm
H: Und dann waren wir praktisch nur /eh/... Leute, die Arbeit
machten, anders /zählten wir nich,
I: hm
H: aber das machte mich so traurig, weil unsere Leute
auch so geworden waren,
I: hm
H: die schon
I: hm
H: paar Jahre hier waren, nur Geld, mehr nicht, ne. Sie
wollten nur Geld haben.. Und ich hab immer geweint, der Hausmeister hat gesagt, wenn ich so
weiter weine, und daß ich.. bald sterben werde. Ich war siebzig Kilo, als ich nach Deutschland
kam. Ich hab innerhalb paar Monat zwanzig Kilo /abgenommen.
I: oh
H: .. Also, ich hab.... nich /eh/ Diät gemacht oder so.
I: (( leise)) ist klar hm
H: Ich mußte jedes Mal, wenn ich Brief
gelesen hab, konnt´ ich manchmal meine Brief nich lesen, weil der von /eh/ so naß geworden
war von meinen Tränen und... Ich hab auch /eh/ niemanden hier in Deutschland. Meine
Verwandten, die sind auch nich so...
I: hm
H: Familienangehörige.
I: hm
H: ....Ja,.. nachher sind wir dann
auch umgezogen, wir waren, unter uns war nur zwei Griechen und eine Spanierin. Die zwei
Griechen hat /eh/ lieber bei uns /eh/ gewohnt, statt ihre Lands/eh/
I: hm hm
H: männin. Wir waren nur
Frauen. Männerbesuch war nich erlaubt,.. und auch keine Verwandte und so durfte nich
'reinkommen. /Eh/ Das /fande ich gut, jede konnte 'rausgehen, wann sie will und so, aber.. daß
wir unter uns waren, und
I: hm
H: es war
I: hm hm hm hm
H: ja enge Räume, und auch wenn Besuch gekommen wäre,
I: hm
H: wo sollten wir denn hin? Angenommen, eine
I: hm
H: Freundin hat Besuch gekriegt .. Familie
und so, dann wär' das nich so
I: hm
H: .. schön gewesen.. Wir sind umgezogen.. und.. in eine..
andere Gebäude, das war.. /eh/ besser als unten im Keller, aber.. viel enger... /Eh/ da sind wir..
Unten war die erste Etage, Griechen /eh/ gewohnt, und oben, da sind wir /eh/ unter uns
((lachend)) wieder.. gewohnt, aber.. ich hab da.... vier Jahre.. ich war /eh/ vier Jahre in
Deutschland, 76.. in Urlaub /eh/... hab ich denn auch geheiratet.., ich wollte nich nach
Deutschland zurückkehren. Ich wollte.. zurückfahren... nach Türkei. /Ich hab mir nich
vorgestellt, daß ich /eh/ vierzehn Jahre aushalten würde hier. Und meine Mutter auch gesagt
/eh/, und sie hat immer gesagt, ich sollte zurückkommen, jedes Mal, also, ich konnte 72 kein
/eh/ 73 keine Urlaub machen.
I: hm
H: Erst /eh/.. März 74
I: hm
H: erste Urlaub hab ich gemacht.
I: hm
H: Und sie konnten mich nich wieder erkennen, weil ich so.. abgemagert war.
I: hm
H: Und... Sie hatte
immer so viel /eh/ geweint und.. das war sehr schwer für sie, weil ich Jüngste war.
I: hm
H: Ich war immer mit meine Mutter zusammen, und als ich nach Deutschland kam, war sie drei
Monat schwer krank. /Das konnte sie nich
I: hm
H: ab,
I: hm
H: weil eine Woche - eine Woche später
meine Bruder zum.. Bundeswehr gegangen
I: hm
H: ist, ne, zwei Kinder /eh/ gleiche /eh/ Zeit
I: hm
H: von zu Hause weg, ne, war sehr schwere Schlag für meine Mutter... Und /ja, 76 hab ich
geheiratet, /eh/ also, das war.. keine... Heirat mit großer Liebe, sondern ich hab auch
niemanden so weit geliebt oder so, zu Hause bin ich zu früh weggegangen, in Deutschland
I: hm
H: hat mich /eh/ hab ich mich nicht getraut, irgend jemanden zu.. kennenlernen.
I: hm
H: Ich war ja.. /eh/ wie in Gefängnis, praktisch, Arbeit und, und Wohnort /eh/ Wohnung ist in eine..
/eh/ Ort,
I: hm
H: gleicher Ort, war ich kaum 'raus aus dem Gitter.
I: hm
H: und das nur paar Schritte
gewesen,
I: hm
H: Wohnheim und Arbeitsplatz, ich bin nur zum Einkaufen so.. gegangen und.. mehr
nicht. Obwohl ich so jung war, mit Discos und mit /eh/ Kino oder so 'ne Kneipe und so.. Ja, zu
Haus, von zu Hause /eh/.. war es ja irgendwie... schon da, immer, daß eine alleine Frau nich in
'ne
I: hm
H: Kneipe
I: hm
H: geht, oder nich in 'ne Diskothek und so. Das waren wir nicht gewöhnt, also,
das hat mir nicht gefehlt... Ich hab /eh/ denn erzählt, daß ich wieder gerne nach Deutschland
kehren würde, erst 'mal.. /eh/ als ich geheiratet
hab.
I: hm
H: Ich wollte paar Sachen von Deutschland /eh/ mitnehmen.
I: hm
H: Ich hab gesagt, ich hab nichts, keine Geld, auch nichts gekauft. Ich sag, ich war ja immerhin
vier, fünf Jahre in Deutschland.. /Eh/ Wenn ich später `mal Kinder /hab und so, daß ich..
/wenigstens erzählen kann, daß ich in Deutschland war, und daß ich das und das gekauft hab
und so, Erinnerungen und bißchen elektrische Sachen und Haushaltssachen und so.... Ich hab
/eh/ das schon vor der Hochzeit besprochen,
I: hm
H: daß ich wieder /gerne nach Deutschland
I: hm
H: /eh/ kommen würde für eine Jahr. Ich wollte gerne zwei Jahre, aber meine Schwiegereltern
haben gesagt und auch meine Mutter /eh/, daß eine.. jung verheiratete, junge Frau nich so
lange.. /eh/ getrennt leben soll. Aber als ich 76 /eh/ nach dem Urlaub wieder nach Deutschland
zurückkam, .... da war ich /eh/ krank. Ich hab steife Nacken gehabt, da war ich drei Wochen zu
Hause, hab ich g'rade angefangen zu arbeiten, dann hab ich mit Magen `was gehabt. Ich
dachte, wäre Magen, und dann zum Arzt gegangen. Ohne /eh/ Untersuchung hat er mir.. /eh/
Tablette gegeben, ich sollte bis Dienstag /eh/ Tablette nehmen, wenn nich besser wird, sollte
ich geröntgt werden, aber.. ich mußte.. Sonntag nachts.. Mitternacht mußt´ ich in's
Krankenhaus, Blinddarmentzündung.
I: hm
H: ... Ich hab eineinhalb Wochen nur /eh/ Tropfen
gekriegt, weil das ja alles entzündet
I: hm
H: war... Und.. Das war, ja, Ende 76... Und nach dem
Blinddarmoperation eineinhalb Woche später, mußt´ ich wieder anfangen, weil er gesagt hat,
ich bin wieder arbeitsfähig, aber ich fühlte mich überhaupt
I: hm
H: nicht. Nach dem Operation hab ich
immer auf der linke Seite Schmerzen gehabt. Ich bin immer wieder hingegangen, ich hab
gesagt, ich hab große Schmerzen, ich kann nich mehr
I: hm
H: stehen. Er sagte.... daß es von /eh/
Operation kommt, von der Narbe irgendwie, das strahlt.
I: hm
H: Hat er nich `mal angeguckt!..
Und das is' /eh/ so, nach Weihnachten ist ganz /eh/ schlimm geworden: Ich konnte kaum noch
stehen...
Anfang 77, /eh/, erste oder zweite Arbeitstag war es, da konnt' ich /eh/ also überhaupt nich
mehr, und war ich ganz blaß, und alle haben gesagt, was ich hab und so. Da hab ich /eh/ zum
Meister gesagt, daß ich nach Hause gehe, eine Arbeitskollegin hat mir andere.. /eh/ Adresse
gegeben, andere Name, von ihrer Hausärztin, bin ich hingegangen, und da hat sie geschimpft,
wo ich so lange war, wo, wo ich lebe. Und ich hab erzählt, daß der Arzt /sich nicht angeguckt
hat, nur gesagt, ( ) das kommt
I: hm
H: von der Blinddarmoperation, ich solle weiter arbeiten. Sie
sagte: kein Zeit verlieren, keine Sekunde, Sie dürfen kein Sekunde verlieren, sagt sie. Das..
konnte sie nich.. feststellen, was das war, sie sagt aber, das kann tödlich werden, sagt sie. Das
war wie /ehm/ große Faust dick, also, hab /eh/.. denn /eh/ schnell meine Tasche genommen,
auch unterwegs bißchen 'was /eh/ eingekauft für mich, ich hab ja mit Blinddarmoperation die
erste Erfahrung gemacht in Krankenhaus, (( alle schmunzeln)) - ich hab nichts gehabt, keine
Morgenmantel
I: hm
H: /und keine.. Schuhe und so, überhaupt nichts mitgehabt /eh/.. Ich hab zwar..
/eh/ na ja, 'was zum Anziehen gehabt, aber 'was, nich, was man in Krankenhaus braucht. Und
ich hab ganze Tasche voll /eh/ Handtücher und Nachthemd und alles /eh/ gekauft und nach
Bergedorf gefahren, Bergedorfer Krankenhaus. Da hab'n sie mich so ober/eh/.. nich gründlich,
/so ganz oberflächlich untersucht, und dann sagte sie.., daß vielleicht /eh/ eine Eierstock
I: hm
H: /eh/..Zyste
I: hm
H: sein kann. Und ob ich gerne Kinder haben will, sie sagte, "mit ein Eierstock
können Sie hundert Kinder machen", und in dem Moment war mir meine Leben wichtiger, ich
hab /eh/ unterschrieben, also das.. ist denn.. sie sagte, eventuell.. muß /eh/ Eierstock entfernt
werden, und sie sagte, wenn ich starke Schmerzen habe, sollte ich Bescheid sagen, wollten sie
mich noch in der Nacht operieren. Aber ich hab gesagt, ich kann es aushalten, nächste
Morgen, denn.. bin ich /eh/ zum OP- Saal hab'n sie mich gefahren. In Bergedorf ist /eh/ OP-
Saal ist ganz unten. /Unter der.. Erde
I: hm
H: wird man gefahren. Als ich aufwachte, war ich in
eine /andere Abteilung, /eh/ nicht gynäkologische Abteilung, wo ich operiert worden bin,
sondern in chirurgische Abteilung, weil es nich /eh/ Frauenkrankheit war.. Ich hab /eh/ vier
Wochen lang gefragt, was da gemacht
I: hm
H: worden ist, bei jede Deutsche, auch wenn es
Kleinigkeit ist,
I: hm
H: kommt immer eine Arzt.
I: hm
H: Derjenige, der operiert hat oder seine Assistent, erklärt ganz genau, aber bei mir hat keine
Mensch /eh/ vorbeigeschaut. Ich hab´ immer wieder gefragt, was da gemacht worden ist und
chirurgische Abteilung hab'n gesagt: "Wir hab'n Sie nicht operiert!", und in gynäkologische
Abteilung haben gesagt /eh/: "Wir wissen nicht."... Ich war fünf Woche /eh/ in /eh/ Krankenhaus.
Ich hab immer zu hohe Blutsenkung gehabt, deshalb wollten sie mich nich
I: hm
H: entlassen, da
war irgend'was nich Ordnung, auch nach dem Operation nich, also, ich glaube, daß mit dem
/eh/ Blinddarmoperation irgend'was nich /eh/
I: hm
H: in Ordnung gewesen,
I: hm
H: das hab'n sie nich,
irgendwie nich richtig sauber gekriegt. Und zum Schluß hab ich eine Bericht /eh/ hat er mir eine
Bericht gezeigt, es stand da: entzündlicher Darmtumor. Das hab'n sie rot durchgestrichen, er
sagte: "Kein Tumor! Chronische Kanalentzündung! Dickdarmentzündung!" Das ist eine
entzündliche /Geschwul oder
I: hm
H: /eh/ was man sagt. Er sagte: Nicht bösartig!, aber erst
hab'n sie richtig geschrieben, mit der Maschine,
I: hm
H: Schreibmaschine und dann mit der
Hand.. Tumor durchgestrichen. Das war /eh/ ganze Bericht, was meine Hausarzt gekriegt hat.
Diese kleine Zettel, was sie von Krankenhaus bekommen hat. Das is' heute noch rätselhaft,
was da wirklich gemacht worden ist.. Also... 77 /eh/ Februar bin ich entlassen worden, konnt'
ich immer noch nicht stehen, ich konnte immer noch nich einkaufen gehen, ich konnte noch
nichts richtig selbst /eh/ für mich /besorgen. Ich mußte alles selber machen. Obwohl ich mit
meinen Landsleute zusammen /war,
I: ja hm
H: hat keine Mensch gesagt: "Du bist doch krank, laß'
das!" Wir mußten alle nach der Reihe /eh/ Heim putzen.
I: hm
H: So krank hab ich denn /Heim
geputzt, ich hab eingekauft, ich hab alles gemacht für mich! Aber.. ich war trotzdem nich
gesund, ich hab immer Beschwerden gehabt, Blutsenkung war immer zu hoch, immer zum Arzt
gegangen.. Anfang April oder Mitte März war meine Narbe immer dick. /Eh/.. wie Haselnuß
groß.
I: hm
H: Erst 'mal sieben Stück 'rausgekommen, und dann hat sie immer direkt da an
(der) /eh/ Narbe gespritzt und alles versucht. Ich konnte nich arbeiten, ich war krank
geschrieben noch... Und.. /eh/ zum Schluß /eh/ ist nich- /am Anfang is' wieder zurückgegangen
I: hm
H: und zum Schluß nich mehr, war ganz rot geworden. Da hat sie mich /eh/ wieder den
Krankenhaus geschickt, und der Chefarzt hat mich untersucht, und.. Ich sollte sofort in's
Krankenhaus wieder, aber da haben sie keine freie Bett gehabt, und dann sollte ich wieder
nach Hause gehen, da wollten sie mir Bescheid sagen, wenn sie eine freie Bett haben.. Ich
wollte aber auf keinen Fall, das war irgendwie zu viel innerhalb drei Monat
I: hm
H: zwei
Operationen, das dritte /eh/ noch /eh/ vor mir hab, ich sag´: lieber sterben aber nich mehr.
I: hm
H: Und... ich hab gesagt, als ich /eh/ zu Hause war, /eh/ der Portier hat gesagt /eh/: "Anruf für Sie,
Sie müssen ins Krankenhaus!", und da hab ich gesagt/eh/, daß ich nich komme. Ich hab
gesagt: "Ich komme nach Ostern. Jetzt möchte ich Ostern feiern!" Wir haben keine Ostern
eigentlich,
I: hm hm hm hm hm hm
H: aber das war nur faule Ausrede. Ich wollte einfach nich.
I: hm
H: Ich hab gesagt, nach Ostern. Da ruf' ich noch 'mal an, aber in der Zeit ist /eh/ schon ganz blau
geworden, mein Bauch. Konnte nich stehen, und da hab ich mich freiwillig gemeldet. Ich hab
I: hm
H: angerufen, und der Chefarzt hat gesagt: sie kriegt keine Termin, sie muß sofort kommen.
I: hm
H: Da hab ich wieder meine Tasche gepackt, mußt´ ich immer alles alleine machen (( lacht)),
immer zu viel gekauft, weil ich alleine bin, und niemand vorbei kommt. Es kommt
I: (( leise)) ja
H: /zwar
sehr viel Leute, Arbeitskollegen und Bekannte vorbei gekommen, aber /eh/ ich konnte
niemanden meine Unterwäsche und meine Wäsche geben. Wenn man keine Familie hat, ist
schlecht. Da muß man.. immer mit dreißig,
I: hm
H: vierzig Unterwäsche rechnen. Und da hab ich
/eh/ na ja, mußt´ ich /eh/ April, Mitte April, noch 'mal operiert werden... Aber ich hab so viel
geweint, ich hab irgendwie.. das Gefühl gehabt, daß ich nich wieder aufwache.
I: hm
H: Und da sagte eine Krankenschwester, daß das nich schlimm sei, daß es schon siebenmal
operiert worden ist, ne, und daß sich wieder gibt und so.. Na ja, /eh/ Mitte April war die dritte
Operation, 77.. Und das ist auch nicht richtig geklärt worden, aber die hab'n mir gesagt, das ist
/eh/ Innennaht, was sie genäht
I: hm
H: haben.
Das war /eh/ fremd für meinen Körper,
I: ((leise)) ist abgestoßen
H: ist abgestoßen.
I: hm
H: Aber irgendwie hab ich, vielleicht ist das für andere Leute geredet worden, von bösartig gehört,
daß es rechtzeitig gemacht worden ist, und dann hab'n sie gesagt: "Nein,
I: hm
H: Gottes Will,
denken Sie nicht! Das war nicht bösartig!", aber es /erste Operation nach dem Blind-
darmoperation, /der Dickdarmoperation immer noch rätselhaft! Meine Hausärztin hat /eh/
versucht, eine richtige Bericht zu bekommen,
I: hm
H: und sie sagte, sie klagt den Krankenhaus und
so
I: hm
H: weiteres, aber... Ja, im Sommer 77, ich bin dann auch /eh/ Ende April oder Anfang Mai
entlassen worden, da war ich drei Wochen.. im Krankenhaus oder vier Wochen, weiß ich nich
mehr so genau, da wollt' ich unbedingt nach Hause.
I: hm
H: Ich hab /eh/
I: hm
H: Da war ich paar
Woche zu Hause, hab ich mich nich richtig erholt, aber hab ich wieder angefangen zu arbeiten..
/Eh/ im Sommer, Juli oder Juni, weiß ich nich, /eh/ da bin ich nach Hause gefahren, obwohl ich
/eh/ `ne lange Reise nich machen durfte.
I: hm
H: Ich hab immer an.. meine.. Familie,
meine.. Mann gedacht, was er von mir denkt, obwohl er einverstanden war mit ein oder zwei
Jahre. Sie haben immer /eh/ geschrieben, ich solle sofort zurückkommen, das konnt' ich
einfach nich. Gesundheitlich nich, überhaupt
I: hm
H: finanziell nicht und: sie haben ja keine
Vorstellung von hier. Man kann nicht alles hinschmeißen und davonlaufen! Man muß die
Papiere erledigen, Behörde - von Behörde zu Behörde laufen, zum Konsulat gehen und alles..
Und.. na ja, ich wollte jedenfalls erst 'mal Urlaub machen, und ich hab zwar immer hinterher
geschrieben, wie's mir geht und was es gemacht
I: hm
H: worden ist, aber ich hab das immer so
bißchen verschönert
I: hm
H: sozusagen, daß meine Mutter mein Mann (bitte) nicht traurig sein soll.
Ich hab gesagt, war nich
schlimm, ich hab operiert, ich bin operiert worden und /mir geht´s wieder ausgezeichnet und so.
Trotzdem hat sich meine Mutter große Sorgen gemacht, sie wäre beinah' wahnsinnig
geworden, hat sie nur ununterbrochen geweint.
I: hm
H: Ich war zu Hause, aber direkt, nich direkt zu
meinem Mann gefahren, weil ich nich wußte, wo er wohnt. /Eh/ er hat /eh/ er ist versetzt
worden.
I: hm
H: Er hat bei der /Post gearbeitet. /Eh/ wir hab´n, als wir geheiratet hab´n, /in unsere
Dorf geheiratet
I: hm
H: und zu seiner Arbeitsstelle (( lacht)). Da bin ich nich /eh/ mitgefahren,
wußt´ ich nich. /Eh/ erst 'mal: erstens gesundheitlich konnt' ich das /eh/ nich alleine machen, die
Reise.. Zu meine Mutter gefahren, und sie war bei meinem Bruder. Ich konnte, weil ich auch
sehr krank geworden nach der lange Reise, und erst 'mal mußt´ ich bißchen da bleiben. Und
dann mit meiner Mutter zusammen, die hab´n- wir haben Taxi genommen. /Es war drei, vier
Stunde Weg, lange
I: hm
H: Weg, aber sie sagte: "Es kommt nicht in Frage, Du kannst nicht
I: hm hm
H: mit dem Bus fahren!" Als wir da waren, ja, die hab'n zwar gehört, daß ich schon da bin, aber
/ehm/ meine Mann und seine Familie waren beleidigt, weil ich zuerst meine Eltern besucht
habe. Und deshalb sind sie nicht gekommen, obwohl ich krank war.
I: hm
H: Ja.. Also, wir hab'n keinen Streit gehabt und so, aber ich hab.. gleich bei der.. wir.. Auch nach
der Hochzeit waren wir nur /eh/ eine Woche zusammen. Er ist /eh/ meine Verwandte, /eh/ der
Sohn von meinem Onkel, von meinem mütterlicher Seite.
I: hm
H: Nette Mensch, ist gute Mensch, aber.. Na ja, man hat eben andere
I: hm
H: Erwartungen von
Verwandte und /eh/ andere von Ehemann
I: hm
H: und.. Er war.. /eh/ nich so, wie ich mir..
vorgestellt hab... Ich hab /eh/ den Jahr auch /eh/ Auswahl gehabt, als ich /eh/.. Er hat sich
überhaupt nich /eh/ Gedanken gemacht. Er hat mich auch nicht gefragt, was da gemacht
worden ist und
I: hm
H: wie das war
I: hm
H: und überhaupt nichts. Ihm war wichtig, /eh/ seine Stolz,
wann ich zurück-
käme und warum, daß ich nicht zurück gekommen bin, als er geschrieben hat, nich sofort, und
so nur Vorwürfe gemacht. Ich konnte nich 'mal zuhören, ich war so krank. So- mir /eh/ ging´s so
elend, ich mußte trotzdem die junge Schwiegertochter spielen zu Hause für den Besuch und
Gäste und so. Meine Mutter hat immer geweint, weil sie das so sehen mußte.. Aber, ich hab
das /eh/ sofort /eh/ gewußt, daß mit uns.. nich läuft.
I: hm
H: Daß das nicht gutgehen
würde, auch wenn ich für immer zurückkäme. Na ja, 77 so gekommen und 78... Also, mit dem
Brief und so, da war schon bißchen Streit da.
I: hm
H: Nicht persönlich, aber nur schriftlich. Und 78
denn, da bin ich /eh/ da wollt' ich nicht zu ihm, da wollt' ich zu- direkt zu meinen Eltern
gefahren. Drei Woche da bin ich geblieben und meine Schwiegereltern dauernd gekommen,
daß wir uns wieder versöhnen
I: hm
H: und so. Und meine Mutter wollte unbedingt, daß wir uns
wieder versöhnen. Da bin ich hingegangen, bis zu.. meine.. Urlaubsende, und das war alles-
meine Ehe. Und danach bin ich nich wieder
I: hm hm hm
H: zu meinem Mann gegangen. Ich hab gesagt: "Wir
sind zu verschieden." Ich /lese Leben kleine Schrift, er liest groß.
I: hm
H: Das /eh/ für ihn war alles so
oberflächlich und anders, ganz anders und.. wie Tag und
I: hm hm hm
H: Nacht waren wir verschieden.
Natürlich, ältere Leute versteh'n das nich. Unsere Mütter, meine Mutter und meine
Schwiegermutter
I: hm
H: hat ganz
I: hm
H: andere Erfahrung von Leben. Nur /eh/ eine
Scheidungsgrund für sie, für meine Mutter oder für /eh/ türkische Frauen, nur wenn sie /eh/
untreu ist,
I: hm
H: oder ganz schlimme Sachen passieren, oder wenn Schwiegereltern sie nicht
haben will. Wenn eine Mann /eh/ untreu
I: hm
H: ist, das is' ja für ihn noch eine Ehre,
I: hm hm hm
H: weil er noch,
also.. genug Frauen kriegen kann und so, aber für /eh/ /wenn das eine Frau tut, das ist eine
Katastrophe. Entweder wird sie umgebracht, wenn das noch einigermaßen
I: hm hm
H: gute Menschenverstand
hat, der Mann läßt sich scheiden, aber 'ne Frau.. Auch wenn der Mann /eh/ Schuld hat
I: hm
H: und trotzdem wird nich gefragt. Immer Frauen haben Schuld, wenn sich scheiden lassen...
1980, da sind wir geschieden worden... Ja, ich, er war nicht in Deutschland, ich war immer
alleine. Mir hat das nich ausgemacht, aber ich war nur traurig.. /ehm/ daß ich nur /eh/ jetzt
geschiedene
I: hm
H: Frau da stehe, ne, und das ist dann auch nicht schön. Hätt' ich 'was von
meine Ehe gehabt, wäre ich nicht so traurig gewesen.
I: hm
H: Nur umsonst geheiratet, nur /um verheiratet zu sein, um Hausfrau zu sein, nur meine /Mutter
und meine Eltern, also praktisch war ich Opfer.
I: hm
H: Nicht gezwungen worden, aber von meine Mutter oder von meine Eltern. Immer, ich hab mich
immer für andere Leute geopfert... Ja, 78... /eh/ da hab ich Kündigung gekriegt von meiner
Firma,
I: hm
H: da stand d´rauf: /eh/ Grund: weil ich längere Zeit krank war. Einige Jahre davor war
ich krank, 77, ganze 77,
I: hm
H: bis Mitte 77, von Ende 76 bis Mitte 77 war ich krank. Innerhalb
halbes Jahr bin ich dreimal operiert worden. Ich war nich kleine Wehwehchen zu /Hause. Ich
konnte ganze Arbeit perfekt machen,
I: hm
H: obwohl ich ungelernt bin. Von Männerarbeit bis zum
Prüfung, Kontrolle, und da stand darauf, daß ich längere Zeit krank war, weil ich ein Jahre
ununterbrochen gearbeitet hab, wie ich wieder gesund geschrieben bin.
I: hm
H: Na ja, hab ich
den Weg gehen gelernt, wie man zu Arbeitsgericht geht, daß man, wie man Anwalt
I: hm
H: /eh/
ich hab gesagt: "Ich muß das alles alleine machen. Ich muß meine Erfahrungen sammeln. /Eh/
übrigens /eh/, da hab ich auch Fernsehen gehabt. Ich hab auch mit Außen bißchen Kontakt
gehabt, nicht? Aber
I: hm
H: von mir aus,
I: hm
H: ich hab immer so 'was gelesen, immer noch keine
Kontakt mit deutsche Leute gehabt,
I: hm
H: auch 77 nich. 78 auch nich.
I: (( leise)) Ist ja hart.
H: Also praktisch /eh/ lerne ich /eh/ seit.. 79/80 deutsch, nicht von 72. Ich hab von 72
I: hm
H: bis
80 nicht deutsch gesprochen. Ich hab nur vom Hören von Fernsehen,
I: hm
H: wenn ich eine Wort
gehört hab, /eh/ und da hab ich immer die Leute gefragt, was das bedeutet,
I: hm
H: und hab ich mir
aufgeschrieben und so. Ich hab nich richtig deutsch gelernt, nur vom Hören, vom Mund, vom
Fernsehen.
I: hm
H: Deshalb halte ich ((lacht)) vom Fernsehen sehr viel, wegen deutsche Sprache.
(( alle lachen))
H: Na ja, ich hab jedenfalls Anwalt /eh/ gefunden, und.. ich war ja nich in der Gewerkschaft,
I: hm
H: weil ich so.. /eh/ nich so optimistisch war wie am Anfang. Ich hab gesagt, was hab'n sie mir
schon /eh/ gemacht, als ich in Not war?
I: hm
H: Gar nichts! Ich sag, diese Beitrag, die ich /eh/ für
/eh/ Gewerkschaft bezahlen soll, den /eh/ zahle ich lieber für arme Mensch, der bedankt sich
noch. Für mich ungebeten, er wird vielleicht für mich beten.
I: hm
H: Aber in dem Moment braucht'
ich aber (( lachend)) Gewerkschaft,
(( alle lachen))
H: weil ich /eh/ eh/ Anwaltkosten
I: hm
H: und so, wenn ich den
Gericht verlier´, alles selbst bezahlen müßte. Man hat mir gesagt: "Wärst Du in der
Gewerkschaft, dann hätt'st Du nicht /eh/ um die Anwalt und so alles nich /Gerichtkosten und so,
nich kümmern brauchen." Aber ich hab /eh/ denn auch gehört, wenn man keine Geld hat, daß
man Arm/zeugnis vom
I: hm
H: Rathaus nehmen kann, und das hab ich auch /eh/ das wollten sie
erst nicht, schwer gemacht, ich hab denn auch geschafft. /Eh/ Am Gerichtstag, ja, also vor mir
war eine /eh/ Griechin. Wir sind zusammen
I: hm
H: 'reingegangen, /ehm/ sie war acht Jahre bei
der Firma,
war sie mit dreitausend Mark einverstanden.. Für acht Jahre!
I: Als Abfindung?
H: Als Abfindung! Freiwillig hab'n sie nicht gegeben.
I: hm
H: Natürlich hab'n wir sie /eh/ angeklagt. Aber.. sie wollte nach Griechenland zurück.
I: hm
H: Sie
wollte, daß man sie /eh/ kündigt. Sie war, hat immer zwei Wochen gearbeitet, sechs Wochen
krank gemacht. Das war ihr willkommen, umsonst dreitausend Mark zu kriegen.
I: hm
H: Aber für mich
war das anders. Ich wollte hier bleiben, ich wollte.. arbeiten.
I: hm
H: Aber so praktisch für mich /eh/ war keine Arbeit da. Normalerweise kriegt man /eh/ tausend,
über tausend Mark für jedes Jahr. Netto /eh/ in der Metallbranche. Aber dreitausend Mark? Und
der Anwalt hat mich überhaupt nich gefragt, er war auch einverstanden damit. Ich mußte so da
stehen, und hat er mich nich gefragt, und da hab ich nachher gehört, daß ich zum nich richtiger
Anwalt genommen hab.
I: Das heißt, Du hast auch dreitausend gekriegt?
H: Ja.
I: hm
H: Ich hab auch dreitausend gekriegt,
weil sie für acht Jahre dreitausend Mark, mit dreitausend
I: hm
H: Mark einverstanden war. Ich
war ja fünf Jahre da.
I: hm
H: Aber meine einzige Gewinn war, wenn man das Gewinn
bezeichnen kann, ich durfte /eh/.. in Wohnheim weiter wohnen, so lange weiter wohnen, bis (es
als) Wohnung verkauft oder vermietet wird. Ein Jahre hab ich /eh/ gewohnt, und nachher waren
nich so viel Leute da und dann war sehr schön.
I: hm
H: Eigenes Zimmer für mich alleine für
dreißig Mark war (( lachend)) billig,
I: hm
H: natürlich, ne. /Eh/ Dadurch /eh/ hab ich auch fast /eh/
zwei tausend Mark gespart sozusagen.
I: hm
H: Nachher umgezogen, und da mußte ich /eh/.. für
ganz kleines Zimmer, wo nur eine Couch und kleine Tisch 'reinpaßt, dreihundert Mark
bezahlen. Wenn man so betrachtet,
I: hm
H: Also von der Wohnung hier war doch günstig. /Eh/ ich meine, dreitausend Mark Abfindung,
nach /eh/ fünf Jahre ist das nichts,
I: nee
H: aber.... Ich war nicht so lange arbeitslos, ich war /eh/
halbes Jahr, glaube ich, arbeitslos. Ich hab mich dann auch nicht so groß bemüht. Irgendwie
fand ich das so komisch,
I: hm
H: Ich hab also nie gedacht, daß ich arbeitslos werde.
I: hm
H: Also... Und ich hab Urlaub gemacht. Auch nicht so viel Arbeitslosengeld gekriegt,/eh/ bißchen..
/eh/ ich war /bißchen hier und dann nachher Urlaub gemacht. Weil ich /eh/ sechs Wochen in
Urlaub war, hab ich auch nicht bezahlt gekriegt. Und, 79 hab ich /eh/ selbst /eh/ eine Arbeit
genommen, die ich nie (( lachend)) gemocht habe. In der Gastronomie, in der Küche. Da wollt'
ich nich noch /eh/ längere Zeit nich arbeitslos
I: hm
H: sein. Ich hab gesagt, wenn man will, kann
man alles machen, und später, wenn ich 'was Besseres finde, denn würd' ich meine Arbeit
wechseln. Fünf Monat konnt' ich das aushalten.
I: hm
H: Da hab ich immer so um fünf angefangen bis um eins, Wochenende bis um zwei. Mußte ich
/eh/eine Stunde zu Fuß la