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Debatte "Lehren und Lernen der Methoden qualitativer Sozialforschung"Moderation: Margrit Schreier, Franz Breuer und Wolff-Michael RothWie lässt sich sozialwissenschaftlich-qualitative Methodik lernen und lehren? Welche Bedingungen, Möglichkeiten und Wege gibt es dafür/dazu? Welche Erfahrungen werden auf Seiten Lehrender und Lernender dazu gemacht? Welche Rolle spielen Lehrbücher, welche die persönliche Unterweisung? Welche Kontext-Aspekte des Lehrens und Lernens sind wichtig? ... Fragen dieser Art sollen in dieser Debatte besprochen werden. Es gibt nicht die qualitative Methodik. Es gibt eine Vielzahl recht unterschiedlicher methodischer Denk- und Vorgehensweisen, die unter dieser Überschrift zusammengefasst werden. Die Varianten unterscheiden sich (möglicherweise) auch bezüglich ihrer Lehr- und Lernbarkeits-Charakteristik: Manche Verfahren besitzen höhere Standardisierungs-Grade und einen Regel-Kanon größeren Explikations-Ausmaßes, andere verlangen stärker intuitive Kompetenzen und personale Kunstfertigkeit. Der Umfang, in dem Merkmale des Forscher- und Forscherinnen-Subjekts sich in der Art und Weise des methodischen Vorgehens ausdrücken und niederschlagen, kann variieren. Das zu berücksichtigen und damit umzugehen, erfordert eventuell besondere Lehr- und Lern-Wege sowie Prozeduren der Einsozialisation u.ä. Dieses Merkmal spielt möglicherweise im Bereich qualitativer Methodik eine bedeutsamere Rolle als bei der Aneignung und Anwendung quantitativer Verfahren. Sind qualitative Methoden in stärkerem Maße auf personale Unterweisung, ein (enges) Lehrer(in)-Schüler(in)-Verhältnis o.ä. angewiesen? Ist das ein Charakteristikum, in dem sich "qualitative" und "quantitative" Methoden voneinander unterscheiden? Das wird jedenfalls häufig so angenommen und den qualitativen Methodik-Varianten (aus einer Außenposition) "vorwurfsvoll" entgegen gehalten hauptsächlich als mangelnde Objektivität, Reliabilität o.ä., jedenfalls im Sinne eines Zweifels an ihrer wissenschaftlichen Glaubwürdigkeit und Seriosität. Andererseits: Empirische Untersuchungen wissenschaftlicher Arbeitsprozesse (in jüngeren Traditionen der Wissenschaftssoziologie und -ethnologie) zeigen, dass das Praktizieren naturwissenschaftlicher und quantitativer Methodiken ebenfalls in hohem Maße idiosynkratische bzw. lokale/forschungsgruppenbezogene Varianz besitzt. In unterschiedlichen Laboren werden elementare methodische Dinge mitunter in verschiedener Weise gemacht. Auch hier wird Methodenkompetenz nicht (allein) aus dem Lehrbuch gelernt, sondern entscheidend durch das "Abgucken" bei einem Lehrer oder einer Lehrerin, durch die gemeinsame Praxis eines "Labors" entwickelt. In der Tat haben sogar fortgeschrittene Wissenschafter(innen) schon Labore in anderen Ländern besucht, um sich dort zeigen zu lassen, wie ein bestimmtes Experiment "funktioniert". Ist der Unterschied zwischen Lehren/Lernen qualitativer und quantitativer Forschungsmethodik also vielleicht in den Vorurteilen größer, als er sich bei näherem Hinsehen herausstellt? Unterscheiden sich quantitative und qualitative methodische "Schulrichtungen" in Sozial- und Humanwissenschaften möglicherweise weniger dadurch, welche Rolle und Bedeutung die subjektiv-personale Forscher(innen)-Charakteristik besitzt als dadurch, welches Maß an Aufmerksamkeit und Reflexion dieser Tatsache zugewandt wird? Der Erwerb qualitativer Methodenkompetenz soll kein Geheimverfahren im engen Sozialisationsverhältnis von Lehrer(in) und Schüler(in) sein! Es geht uns vielmehr darum, solche Prozeduren, Konzepte, Erfahrungen etc. öffentlich und offen zu machen und zu diskutieren bezüglich unterschiedlicher Methoden-Varianten (qualitativer "Schulen"/Richtungen), unterschiedlicher akademischer Disziplinen, unterschiedlicher institutioneller und curricularer Umgebungen, Studienbedingungen u.ä.: Unter welchen Lernbedingungen in Hochschulen und außerhalb findet dieses Lehren und Lernen statt in Vorlesungen, Seminaren oder im projektbezogenen Arbeiten, in Pflicht- oder in frei gewählten Veranstaltungen? In welchen Disziplinen und Studiengängen kann die einschlägige Nachfrage abgedeckt werden? Auf welche Weise? Und wo ist das nicht der Fall? Was tun Lernende, wenn sie in ihrem institutionellen Ausbildungskontext Möglichkeiten der angeleiteten Aneignung nicht vorfinden? Wie sehen die Verhältnisse im inter-/disziplinären und inter-/nationalen Vergleich aus? Hat der so genannte "Bologna-Prozess" an europäischen Hochschulen (die Bestrebungen nach länderübergreifender Vereinheitlichung der Studienstrukturen in Bachelor- und Master-Studiengängen) Einfluss auf die einschlägigen Lehr- und Lern-Bedingungen? Etc. etc. Die Idee zur Eröffnung dieser Debatte entstand im Zusammenhang mit dem 2. Berliner Methodentreffen Qualitative Forschung am 14./15. Juli 2006. Dort gab es ein Symposium zum Thema "Lehr- und Lernbarkeit qualitativer Methoden", bei dem auf einem Podium mehrere Expertinnen und Experten ihre Erfahrungen und ihre Sicht der Dinge darstellten und anschließend mit dem Auditorium diskutierten. Dabei wurde die große Bedeutung dieses Themas und der große Problemdruck deutlich, unter dem sowohl Lehrende wie Lernende in unterschiedlichen Kontexten stehen. So möchten wir hier ein Forum bereitstellen und moderieren, das offen ist für Perspektiven, Berichte und Vorschläge aus verschiedenen Feldern und von unterschiedlichen Beteiligten für alle Fragen, die sich um dieses Problemthema ranken. Wir können uns Debatten-Beiträge zu diesem Themenfeld in unterschiedlichen Formen bzw. Textsorten vorstellen. Wir haben vor allem gedacht an
Unter diesen Varianten können die Autorinnen und Autoren von Beiträgen wählen die endgültige Entscheidung wird in Absprache mit den Moderator(inn)en getroffen. Wenn Sie einen Beitrag zu dieser Debatte schreiben wollen, wenden Sie sich bitte an Margrit Schreier, Franz Breuer oder Wolff-Michael Roth! Bisher veröffentlichte BeiträgeDer Einsatz archivierter Forschungsdaten in der qualitativen Methodenausbildung Konzept und Evaluation eines Pilotmodells für forschungsnahes Lernen
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