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Debatte "Sozialer Konstruktionismus"

Moderation: Jo Reichertz und Barbara Zielke

Mit FQS 9(1) möchten wir eine neue Debatte beginnen: die über den sozialen Konstruktionismus. Die Auseinandersetzung mit diesem Ansatz, der vor allem in der qualitativ orientierten psychologischen Forschung große Prominenz besitzt, ist aus unserer Sicht für die gesamte qualitative Sozialforschung wertvoll.

Der soziale Konstruktionismus wirbt für eine Psychologie, die den linguistic und den cultural turn als Herausforderung begreift und in die Fachdisziplin einbringt. In seiner kritischen Reflexion des wissenschaftlich-psychologischen Mainstreams weist er nach, dass vermeintlich objektives Wissen historisch und sprachbedingt kontingent ist. Er zeigt im Zeitalter der Globalisierung, was es heißen kann, kulturzentrische "Universalismen" aufzugeben und psychische Phänomene und Funktionen in ihrer Abhängigkeit von kulturell bedingten Bedeutungen zu verstehen – nicht allein in Wissenschaft und Forschung, sondern auch in vielen Bereichen der angewandten Psychologie. Während der soziale Konstruktionismus im englischen Sprachraum seit einigen Jahrzehnten allgemein bekannt und Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen ist, stößt er in der deutschsprachigen Psychologie erst in den letzten Jahren auf Interesse.

Wer sich daran macht, die Ziele und Prämissen dieser Theorie- und Forschungsrichtung und der mit ihr verknüpften praktischen Bemühungen zu skizzieren, stößt auf eine Vielfalt der unter diesem Begriff mittlerweile versammelten Diskurse und Forschungen, die sich nicht in jeder Hinsicht einem einheitlichen Ansatz zuordnen lassen – ist doch diese Vielfalt selbst Teil des Programms. Verortet werden im Umfeld des sozialen Konstruktionismus so unterschiedliche Psychologiekonzeptionen wie die postmodern-sprachpragmatisch ausgerichtete Variante Ken GERGENs, der auf einer allgemeinen Theorie des Dialogs basierende Ansatz John SHOTTERs, die in Großbritannien etablierte discursive psychology (z.B. Jonathan POTTER) oder konstruktionistische Ausrichtungen der Kulturpsychologie (etwa die programmatische Theorie des "dialogical self" der Kulturpsychologen Hubert HERMANS und Harry KEMPEN). Aber auch Vertreter und Vertreterinnen einer critical psychology, die sich z.T. auf die epistemologische Position des critical realism beziehen (Ian PARKER, Valerie WALKERDINE, Carla WILLIG oder John CROMBY), haben den Diskurs des sozialen Konstruktionismus wesentlich mitgeprägt und ihm immer wieder neue Bezüge verschafft. Die Liste ließe sich noch fortsetzen.

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Natürlich soll die Debatte mit der Publikation dieser Artikel nicht ihr Ende finden, sondern wir erhoffen uns eine Fülle von Kommentaren und weiteren Diskussionsbeiträgen. Wenn Sie selbst einen Beitrag zu dieser Debatte schreiben wollen, wenden Sie sich bitte an Jo REICHERTZ oder Barbara ZIELKE.

Bisher veröffentlichte Beiträge

Einleitung: Theories that matter. Zur Handlungswirksamkeit des sozialen Konstruktionismus
Jo Reichertz & Barbara Zielke (Deutschland)
FQS 9(1)

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Dialogischer Wandel im therapeutischen Kontext. Von Metaphern, Geschichten und Gleichnissen – Umgangsformen und Sprechweisen
Klaus G. Deissler (Deutschland)
FQS 9(1)

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Limitierte = limitierende Lesart des Sozialen Konstruktionismus: Eine Replik auf Ratners Beitrag "Epistemologische, soziale und politische Rätsel des Sozialen Konstruktionismus"
Pascal Dey (Schweiz)
FQS 9(1)

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Abwehr durch Einvernahme. Zum Auftritt des Sozialen Konstruktionismus in der deutschen akademischen Psychologie
Peter Mattes (Deutschland)
FQS 9(1)

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Sozialkonstruktionistische Psychologie und ihre praktische Anwendung. Möglichkeiten einer Neuausrichtung
Johannes von Tiling (Deutschland)
FQS 9(1)

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Aus FQS Interviews

Ken Gergen
im Gespräch mit Peter Matthes & Ernst Schraube
FQS 5(3)

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Ken Gergen
im Gespräch mit César Cisneros-Puebla
FQS 9(1)

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Letzte Änderung: 16.04.2008

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(ISSN 1438-5627)

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